Two Door Cinema Club – Gameshow

Two Door Cinema Club, die wohl clubgeeignetste Pop-Rock Band unserer Zeit ist zurück. Das Trio aus England, das auf den ersten beiden Alben mit schnellen, euphorischen und teils elektronischen Rock bis Pop-Hymnen überzeugt hat, veröffentlicht mit „Gameshow“ ihre 3. LP. Nach den beiden Vorgängern stellte sich, obgleich ihrer Qualität, die Frage, ob die Band auch andere Facetten zu bieten hat, als die relativ simplen Strukturen ihrer eingängigen Rock-Stücke. Musikalisch positionierten sie sich zwischen Vampire Weekend, ein Rhythmus, der kein Durchatmen zulässt, und der Konk-Ära der Kooks, Pop-Rock Stücke für die Tanzfläche mit teils melancholischen, aber auch jugendlich optimistischen und vereinenden Themen.

Persönlich komme ich nicht darum herum, meine persönliche Erfahrung mit der Band in diese Bewertung mit einfließen zu lassen. Im März 2013 sah ich die 3 in Münster live. Überzeugt war ich von der Stimmung, die die band vermittelte. Eine Rock Band, die Massen in Bewegung versetzen konnte, keinesfalls destruktiv, wie es andere oft schaffen, erzwingen, sondern natürlich. Ein einstündiger Trip ohne Pause, ohne Punkt, ohne Komma. Und genau das war es auch, dass mich stutzig machte. Im Vorhinein hatte ich nur einige ihrer Songs gehört.  Schnell zu Ohrwürmern gewordene Songs begleiteten mich also zu diesem Auftritt und, was soll ich sagen. Nachher wusste ich nicht mehr, von welchem Song ich jetzt eigentlich einen Ohrwurm gehabt hatte. Habe ich überall mitgesungen, oder nirgendwo? Kein Plan. Wie ein einziger Song, ein Konzeptabend, begleitete einen der Sound von 2DCC den ganzen Abend. Der Sound verfolgt, treibt an, Peitschen-Pop. Überzeugt war ich an dem Abend auch von einer der Vorbands, The 1975, aber das ist eine andere Geschichte.

Zum eigentlich Album. Gleich zu Beginn begrüßt einen der Beach-Vibe früher Kooks-Alben, schnell wird der Sound urbaner, als hätte der Sänger sich entschieden, den Lichtern der Stadt und nicht denen der untergehnden Sonne zu folgen. „Are we ready?“ fragt die Band sich. Bereit wieder einzusteigen in die Achterbahn, die Gewissheit, aus Erfahrung gewonnen, dass das Tempo, einmal erreicht, kaum wieder verringert werden kann. Die Stimme von Lead-Sänger Alex Trimble ist auch auf den weiteren Songs kaum wiederzuerkennen. Verzerrt von Synthesizer und teilweise in unbekanntes Territorium der Kopfstimme vordringend, versetzt die Band sich selbst einen Schub in die Vergangenheit und kritisiert dabei die Moderne. Ein interessanter Schachzug.

„You don’t need to know what everybody’s thinking“ beschreibt den Drang der „Generation Information“ ohne Unterbrechung und ohne Anstrengung neuen Informationen ausgesetzt zu sein, süchtig nach dem Gefühl der Kontrolle zu sein, in einem System, das uns Kontrolle vortäuscht. Kritisiert die Band möglicherweise sogar „Bad Decisions“ ihrer eigenen Karriere?

„Ordinary“ beginnt auch in einem eher ordinären Rhythmus. Entspannung setzt ein, man bleibt auf der Hut. Der Synthesizer begleitet die softgepitchte Stimme, welche fast wie computergeneriert wirkt, Siri stellt fest, woran sie ihren Benutzer hindert.

„Everything is easy/Everybody is stuck/And that’s fine“  Beginnen wir hier etwa einen Soundtrack zu 1984 oder noch viel eher Fahrenheidt 451 zu hören? Happiness in Boundary.

Ein unerwartetes Highlight erwartet den Hörer in „Lavender“. Ein Beat, der so minimalistisch und laid-back gar nicht zu dem passt, was man gewohnt ist. Synthetische Claps, Off-Beats, die bis in den RnB Sektor hinvordringen. Ein Song über die Utopie, jeglichen User-Interfaces, die den Blick auf das wahre Ich verschleiern , im Schlaf zu entkommen. „Nothing like this has ever existed/But God knows how I missed it“ kann assoziiert werden mit der ausserirdischen Utopie, in die der Sänger sich versetzt und welche durch die terrestrialen Pieptöne des Synthesizers am Ende des Liedes angedeutet wird. Im Kontext des Liedes kann es aber auch als Kritik an all den „Fortschritten“ der Technologie und der virtuellen Gesellschaft gesehen werden, welche uns vorgaukeln, sie wären alles, was wir bräuchten, um glücklich zu werden.

Mit „Invincible“ bekommt der Hörer eine Ballade im Stile der 80er mit etwas stärkeren und moderneren Beats. Sogar Oasis und U2, die Backstreet Boys lassen sich hier raushören. 2DCC geizen nicht mit Einflüssen, die die Wirkung dieses emotionalen Songs verstärken können. Man muss anmerken, dass der Gesang in dem gesamten Album sehr unnatürliche Melodien formt, es schwierig ist, über die Sprache und Betonung Empathie aufzubauen. Erst mit einem Blick auf die Texte eröffnet sich das Bild eines vollends überforderten und emotional stark abgestumpften Menschen, der erkennt, was ihm zusetzt, aber keinen Ausweg findet.

Der Letzte Song „Je Viens de la“, auf deutsch, soweit ich das verstehen kann „Ich komm von da“, lässt den Sänger sich selbst erklären. Seine Reise durch die Depression in einer zu schnell gewordenen Welt, für die er kein Durchhaltevermögen mehr mitbrachte. 2+2 war 5 und alle waren glücklich darüber, über nichts.

Alles in Allem ein starkes Album, das überrascht, weil Two Door Cinema Club sich traut, auch ihre eigene Hörerschaft mit den Songs anzusprechen und zu versuchen, ein menschlicheres und besonnenes Vorgehen in der „Generation Information“ zu formen. Der Versuch, eine klare Linie zu ziehen zwischen dem, was wir wirklich als Fortschritt bezeichnen können, und dem, was uns nur kaputt macht, nur dazu dient uns zu irrationalen Instrumenten zu machen gelingt der Band besonders dadurch, dass sie sich dem Sound der Übergangszeit in diese Generation, der 80er, bedient. Ein gelungener Mix aus modernen Beats und Synths, klassischen Gitarren-Riffs und 80er Synths, teilweise gewollt überladen, die Synths menschlicher als der Mensch. Die Band kommt aus der Gameshow, aber präsentiert sich in ihrer Thematik menschlicher denn je.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s