Jurassic High

dino-planet-folge-1-spinosaurus-beim-fischefangen-100-768x432Ein urzeitlicher, faltiger und ergrauender Dinosaurier betritt die Bühne, gibt einen gehaltvollen Laut von sich, der im Ohr des Studenten zu einer Wand aus Geräuschen mutiert, die kaum mehr Inhalt zu haben scheint. Wie eine aufgeblasene Chips-Frisch Tüte. Wenn die Dinosaurier irgendetwas anderes als ein spontaner Kometenschauer ausgelöscht hat, dann könnten einige Jura-Professoren definitiv der Grund dafür gewesen sein. Sie starben vor Langeweile und ihre stolzen Bezwinger nannten sich von da an “Juristen”.

Seit fast einem Jahr studiere ich jetzt Jura, ein guter Zeitpunkt, um alle die, die selbst darüber nachdenken diesen Fachbereich zu betreten und hinter sich die Tür abzuschließen, durch die man noch jene glorreichen Zeiten der Schullogik erkennen kann, vorzuwarnen, zu briefen, zu ermutigen. Dafür habe ich mir ein paar Vorurteile herausgesucht, die mehr oder weniger zutreffen und anhand derer man ganz gut beschreiben kann, was am Studium der Rechtswissenschaft fasziniert und, ja, und was halt nervt.

“Jura ist trockenes auswendig lernen und realitätsfern.”

Jura schien und erscheint mir heute immer noch, wie die Physik der Gesellschaftswissenschaften. Mann kann Politik lernen, oder die Wirtschaft und sogar Geschichte, aber in gewisser Weise hangeln diese Thematiken sich an den Möglichkeiten entlang, die die Rechtswissenschaft ihnen gibt. Sie zeigen auf, wo das Gesetz seine Fehler hat, wo Lücken bestehen und wo das Recht seinen Sinn der Gerechtigkeit verloren hat.  Ein wenig fühlt man sich also, wie ein umherirrender Irrer, der sich in der Wüste verlaufen hat und der Trockenheit immer wieder fast zum Opfer fällt. Man weiß nicht direkt, wie man denn jetzt damit klar kommen soll, wie soll ich diesen Stoff eigentlich lernen? Anwenden, auswendig lernen, lesen? Soll ich einen Regentanz zum besten geben, nach Wasser graben oder mich anderweitig bemühen? Richtige Antworten gibt es nicht. Immer wieder erhellt eine Fata Morgana das Gemüt, wenn man einen Fall instinktiv richtig löst und plötzlich ein kleiner Teil eines kleinen Teils einen Sinn ergibt. Ist nur eine Fata Morgana, aber was solls? Solang man dann trotzdem  weitergeht, die Wüste kann ja nicht unendlich sein. Kleiner Tipp, weicht über die Grundlagenkurse auch mal auf interessantere und fruchtbarere Themenbereiche aus, die euch mehr Spaß bringen, es gibt alles, Philosophie, Geschichte, Internationale Politik und so weiter.

“Juristen sind Spießer.”

Ja, stimmt. Und die nächste Annahme geht leider oft Hand in Hand damit.

“Juristen halten sich für bessere Menschen.”

Leider, leider leider leider sind viele der juristischen Professoren nicht die dümmsten Menschen und bedienen sich der Ironie, die es ihnen möglich macht zu sagen “Juristen sind bessere Menschen.”, ohne dass sie es ernst meinen. Obwohl sie es ernst meinen. Wo auch immer ihr euch dazu entscheiden solltet, Jura zu studieren, sucht euch auch Freunde in anderen Fachbereichen. Verlasst den Kosmos der Juristerei regelmäßig, sonst fangt ihr noch an daran zu glauben. Ich könnte hier jetzt schreiben, geht doch auch mal feiern, aber das wäre ungefähr so authentisch, wie wenn Trump sich plötzlich für Frauenrechte engagiert.

“In Jura muss man sich alles selbst beibringen.”

Ja und Nein. Es gibt auf der einen Seite Arbeitsgemeinschaften, Kompaktkurse und Tutorien, die euch helfen mit dem Stoff umzugehen, auf der anderen Seite ist es einem komplett selbst überlassen, ob man nur den nötigsten Stoff oder alles lernt. Und das Problem ist, dass man leider irgendwann alles braucht. Nachteil ist eindeutig, die schwindende Motivation wegen der Unübersichtlichkeit und der Masse. Der Vorteil ist dafür genau so offensichtlich. Ihr werdet nie ein Konzert, zu dem ihr unbedingt wollt, verpassen und seid, was Uni-Besuche angeht, theoretisch genauso flexibel wie ein Nicht-Student.

“Alle tragen Hemd und Bluse.”

Sagen wir es mal so. Ihr würdet nicht auffallen, wenn ihr jeden Tag mit weißem Hemd und blauem Pullover den Hörsaal betreten würdet, euren Aktenkoffer/Ledertasche auf den Tisch legend und das teuerste Wasser auspackend. Wasser! Ich meine, die könnten doch wenigstens was das angeht versuchen sich zu integrieren, oder!?

“Die Professoren sind altmodisch, alt, nicht progressiv und egozentrisch.”

Schwieriges Thema, da das Vorurteil definitiv auf einige zutrifft, das aber gar nicht mal so stört. Es gibt die kritischen, die Koryphäen, die euch den Stoff zwar beibringen werden, ihr euch nachher aber fragen werdet, welcher der 200 Theorien jetzt nochmal die herrschende Meinung war und warum der Professor diese in minutenlangen Hassreden zu widerlegen versucht, dabei die Namen etlicher Mitstreiter und Feinde nennt, die er auf dem Weg hinter sich gelassen hat. Und es gibt die routinierten, die die Passion nicht verloren haben, sich aber trotzdem bewusst sind, was sie den Studenten eigentlich beibringen müssen. Sollte euch so ein Prof begegnen, schreibt mit und passt auf, es lohnt sich mehr, als bei “modernen” Professoren, die etliche Bilder und Platitüden in ihre Präsentation mit einbauen, um den Stoff angenehmer zu gestalten. Ist Quatsch, der Stoff ist nicht besonders angenehm und wird mit zu viel Gelaber leider nur noch unübersichtlicher. Erfahrung scheint bei der Vermittlung von juristischem Stoff eine große Rolle zu spielen, also seid froh, wenn ihr nicht mit einem Junior-Professor konfrontiert werdet, der völlig von dem Stoff überwältigt zu sein scheint. Auch da gibt es Ausnahmen, aber ganz ehrlich. Die Profs müssen nicht eure Freunde werden und schöne bunte Präsentationen mit vielen Bildern gehen beim Mitschreiben eher auf die Nerven.

 

Also, solltet ihr euch entscheiden deisen Dino-Bezwingern entegenzutreten, lasst euch von prähistorischen Anzügen und Lehrbüchern, die von eurem Prof geschrieben wurden, nicht einschüchtern und genießt es einfach den Otto Normaljuristen dabei zuzusehen, wie sie von Tag zu Tag immer mehr zu kleinen Dinosauriern werden, denen die Arme schrumpfen, bis sie nur noch durch das BGB blättern können.

 

 

Bilder:

http://www.dinosaurier-bilder.com/post/49/spinosaurus—das-skelett-des-grosten-fleischfressenden-dinosaurus/

http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/der-vertrag-ueber-die-rechte-von-menschen-mit-behinderungen/der-vertrag-gilt-auch-in-deutschland/

 

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