Festival-Sommer #3 – Deichbrand

IMG_3918.JPGIch war der Sohn von Marteria, in ein Brot verliebt, im Matsch versunken, meine Mama hab ich am Crêpe-Stand gefunden und Harry Styles dabei bewundert, wie er die ‘Bulleeeets’ in den Himmel winselt. Ich habe einen feuerspuckenden Hirsch gesehen, auf französisch der Jugendsprache etwas Kultur verliehen, in fließendem Spanisch gesungen. Ich habe so viele Boomerangs geworfen, dass mich mindestens einer am Kopf getroffen haben muss. Und das alles auf einem Familienausflug. Glaubste nicht? Auf’m Deichbrand ist anscheinend alles möglich.
Wow. Noch leicht beschwipst vom Festival der letzten Tage tippe ich jetzt diese ersten Zeilen in meinen Rechner und suche verzweifelt nach einer guten Opening Line für diesen Blog. Vielleicht so, auf diesem Festival gab es mehr Insider als Kohlensäurebläschen in Cider. Fidi out, erstmal pennen, mal schauen ob ichs morgen immer noch so witzig finde.

Gähn. Jetzt ist morgen schon fast wieder rum. Den ganzen Tag durfte ich versuchen beim Schreiben einer Strafrecht Hausarbeit das letzte Wochenende zu vergessen, hat nicht geklappt! Und auch der Witz, den ich gestern Abend gerissen habe, darf im Blog bleiben. Da muss ich dem Friedrich von gestern doch auf die Schultern klopfen. So ein Wortwitz ist nicht von schlechten Eltern! Genau wie ich!

Am Beginn eines jeden Blogs stellt sich die Frage, ob man jetzt eine Geschichte oder einen Bericht schreiben soll. Schreibe ich von “Indiana Jones und der Rosa Fotobox” oder von einem Besuch bei Saturn? Und wenn ich eine Geschichte schreibe, wie heißt die Geschichte dann? Hätte Fitzgerald “The Great Gatsby” “Carraways Cottage and the Man he met” genannt, würden wir heute vielleicht doch “Tender is the Night” lesen, und ich hätte ein Tattoo weniger. Wie also taufen wir die Geschichte?

Vielleicht “Je Bims Marten [matɛ̃]?

Lange vorm Deichbrand 2017 muss es gewesen sein, als Marten Laciny seine damalige Frau in einem kleinen Fischerdorf kennenlernte. Vielleicht standen sie am Wasser, als er auf sie zuging, seine durchdringenden Augen aufschlug und sie das erste mal ansprach: “Je Bims Marten, I hambs dich geangelt.” Ein Satz des halbfranzösischen Hobbyanglers, der schon so manche Frau aus dem großen Teich gezogen haben soll. 

Was für eine Ironie, dass die beiden sich ausgerechnet auf dem Deichbrand wiedertreffen sollten, dort, wo auch ihr Sohn am Crepe-Stand seine französischen Wurzeln wiederentdeckte. Den ganzen Tag schon summte er Wörter vor sich hin, die er nicht verstand. “Margarito”, “Bananarito”, waren das überhaupt Wörter? Oder war da etwas ganz tief in ihm, eine Vergangenheit, die er nie erlebt hatte? “Servus, 1 crepe bitte.”, versuchte er sich abzulenken. Aber dann kam alles anders.

“Servus, I bims d1 Mama, Marten hambs dich gezeugt.” Und plötzlich machte alles Sinn! All die Jahre die er mit verstellter Stimme und ins Gesicht gezogenem Bandana Reime bildete, in denen sich sein Unterbewusstsein wiederspielte! Fidimoto war geboren! Und heute Abend sollte er seinen Vater kennenlernen!

Spätestens als Monsieur Laciny dann halbnackt durch die Menge marschierte und selbst Fidimotos Mutter sich nicht mehr zurückhalten konnte, brüllte er: “Ich bin Marterias Sohn/Würd so gern bei meinem Vater wohn!” Mit der Fingerspitze berührte er die Fußspitze von Marten und fühlte sich wie E.T., endlich nach Hause telefonieren!

Später in der Nacht, als wäre alles nur ein Traum gewesen, griff er nach dem Handbrot, als wäre es die Hand seines Vaters gewesen, spürte einen Schauer über seinen Rücken laufen und blickte in den Himmel. Der Schauer hatte einen Regenbogen hinterlassen, dessen Farben all die der Augen seines Vaters wiederspiegelten. Dass es Nacht war, war ihm egal. Er hatte längst aufgehört, logische Geschichten zu erzählen.

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Oder ich bleibe doch bei dem nüchternen Bericht über ein Festival, das große und kleine deutsche Künstler zelebriert, internationale Stars mitbringt und ein ganzes Wochenende zu einem legendären Event werden lässt. An dem man Pläne schmieden kann, wie man im nächsten Jahr die horrenden Pfandgebühren zu seinem Nutzen ausnutzen kann, wie man unendlich viel Crepe-Credit ansammelt und wie man das nächste mal das Alter von Millenials richtig einschätzen kann. Ein Wochenende, an dem man lernt, welcher Vor- und Instagramname zu einem passt und warum es nie Dirk ist. Ich wusste zwar, dass Marteria live immer abliefert, Billy Talent sowieso, aber Cro, Wanda, Umami?! Ohne im Vorhinein geflasht gewesen zu sein von dem Line-Up, hat es sich gelohnt den Donner abzuwarten.

Für die ganze Familie. Nein, “echte Mama”, ich hab keine Drogen genommen, das ist wirklich alles genau so passiert! Bis nächstes Jahr Deichbrand.

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