midnight

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Ich war auf der Suche nach 2 alten CDs, die ich unbedingt wieder finden und anschauen wollte. Die eine war stark gebogen, das wusste ich noch, hatte einmal einen halben Tag in einem Auto verbracht, das der Hitze eines bayrischen Sommer ausgesetzt worden war. Die andere war die erste Single, die ich mir bewusst gekauft hatte. Langsam legte ich CD für CD aus der kleinen Pappbox auf den Boden und hoffte, die beiden CDs zu finden. Dabei begegnet mir eine CD-Rom. Eine CD mit Bildern drauf. “Verrückt, dass ich sowas noch habe.”, denke ich mir, als ich die Runde Scheibe in meinen Computer schiebe, der eigentlich darauf gewartet hatte, etwas alte Musik zu hören.

Urlaub im Jahr 2009. Der erste Urlaub, den ich nur mit meinem Vater und seiner zweiten Frau verbracht hatte. Mit langen Haaren und trotzigem Gesicht wusste ich nicht so Recht, wie ich damit umzugehen hatte. Bockig war ich, natürlich. Etwas verwirrt war ich, konnte ich in dieser Situation überhaupt irgendwie vergessen, dass ich mich ein Jahr davor von meinem bisherigen Leben und mein Vater sich von meiner Mutter getrennt hatte? Falls es das war, was ich hätte tun sollen, dann konnte ich es nicht. Versehe einen bockigen Teenager mit einem Grund, bockig auf dich zu sein, und er wird dir zeigen, wie nervig man sein kann, ohne Schuld zu sein.

In einem CD-Laden lief ich dann durch die Gänge, auf der Suche nach irgendetwas, was mir bekannt vorkam. Der Großteil der Namen, die ich kannte, kannte ich nur wegen meines besten Freundes, dessen große Brüder auf ihn und er wiederum auf mich abfärbte. Ich erinnere mich noch genau an einen Tag im Freibad, als mein Kumpel wieder etwas über Musik sprach. Irgendwann kam er dann auch auf eine Band zu sprechen, die in mir erst einmal nicht viel mehr als das Bild eines riesigen mit Rosen gefüllten Labyrinths auslöste. Auch heute weiß ich nicht, warum mich der Name damals so sehr für Blumen in meinem Kopf sorgte, aber sie waren da. Als ich die Band dann bestimmt 5 Jahre später Im Urlaub im Regal entdeckte, und mir klar wurde, dass ich einige ihrer Songs unbewusst im Fernsehen und Kino gehört hatte, griff ich nach der ersten CD, die fast schmelzen sollte. Und nach der zweiten, die so günstig war, dass ich mich erst wunderte nur um später etwas überrascht nur einen Song dreimal zu hören. Der Tag, an dem Friedrich die Maxi-CD entdeckte. Von dem Tag an lief die CD, das komplette Album, ununterbrochen im Auto und auf meinem kleinen schwarzen MP3-Player mit 256 mb. Einige Lieder waren aber doch zu viel des Guten für meine Fahrer, sodass ich bei kleinen Tankstellenstops immer wieder zwischen 4 und 8 hin- und herzappte und die Lautstärke aufdrehte, ehe die ruhigen, nicht weniger beruhigenden Lieder die Fahrt wieder begleiteten.

Und wenn ich behaupte, dass nur diese CDs mir die Zeit erleichterten und ein kleines Ventil für das waren, dass ich sonst nur in Trotz und Starre ausdrücken konnte, dann wäre das eine Lüge. Es gab andere Bands wie Fall Out Boy und The All American Rejects, die ich in dieser Zeit genauso häufig hörte. Aber genau heute, nachdem ich drei Tage durchgetanzt habe, mich komplett ausgelaugt habe, die drei Tage, nachdem ein Künstler sich umgebracht hat, von dem ich nichts wusste, außer dass einer seiner Alben, vielleicht nicht eines seiner besten, 2 Jahre in meinem Discman und 6 Jahre auf meinem Dachboden verbrachte und sich bis heute nicht aus meinem Kopf verabschiedet hat, immer noch Synapsen anzapft, die Nostalgie und Melancholie zugleich auslösen, genau heute, dachte ich an die letzten 8 Jahre und das Gefühl, die Platten noch einmal in den Händen zu halten.

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Eine Ironie, dass ein Song namens “Midnight” der Song ist, der mich am ehesten an meine Zeit in Sri Lanka erinnert, der mich dazu brachte, eine Kurzgeschichte zu schreiben, der Song, der mich dazu brachte nochmal alles in meinen Gedanken aufzuräumen und klarzukommen. Und, dass das Album, dass ich heute wiedergefunden habe, “Minutes to Midnight” heißt, der Countdown bis Mitternacht.

Eine Ironie, dass dieser Drang, das eine verformte Album in den Händen zu halten mich jetzt überkommt, 4 Wochen nachdem ich ihn und seine Band live gesehen hatte, unbekümmert und in Vergessenheit über die Momente, die wir früher teilten. Bei “One more Light” fühlte ich es kurz, wie einen kleinen Funken in meinem Nacken kitzeln. Es interessiert mich wenn ein Licht ausgeht. So oft gehen heute ganze Sternenstraßen aus und werden uns in möglichst nicht subtiler Art und Weise aufgedrückt. Die Schönheit der gestorbenen Menschen ist nicht mehr wichtig, nur noch der Tod. Wir reden viel zu oft über den Tod, aber nicht über den Menschen dahinter.

Jetzt komme ich klar, und höre “Minutes to Midnight”, selbst überrascht davon, wie sehr mein Unterbewusstsein sich noch daran erinnert, während ich vergessen hatte. “Keep me in your memory.” in Leave out all the rest, anscheinend ist er das geblieben. Und er wird es auch weiterhin bleiben.

Und nur weil Chester Bennington jetzt tot ist, heißt das nicht, dass ich oder irgendjemand jemals damit aufhören könnte, sich an ihn zu erinnern. “If youre feeling empty, keep me in your memory” Werde ich, nicht nur ich.

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