heathermountain

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Vor mir lag ein kleines weißes Stück Papier, auf welchem ich offensichtlich meinen Namen eingetragen hatte. Zwei Städte standen da auch, Platz war für Acht.

Es war gestern Abend, als ich mich dagegen entschied, morgen mit irgendjemandem zu reden, zu kommunizieren, als ich mich dagegen entschied, morgen irgendetwas zu tun, was, das nahende Ende der Semesterferien im Blick, eigentlich notwendig gewesen wäre. Ich holte also einen Kuli heraus, kritzelte ein wenig auf meiner vergeigten Hausarbeit herum, um herauszufinden, ob der Stift im Gegensatz zu mir als Student. auch wirklich seinen einzigen Zweck erfüllte.

Na gut, ich habe schon oft gehört, dass ein zweiter Zweck des Studentendaseins das Feiern sein soll, düster erinnere ich mich daran, in einem früheren Blog schon einmal erklärt zu haben, dass ich aus diesem Schema auch herausfalle.

“Hamburg” in die eine Spalte. Wo sollte ich auch sonst morgen früh aufbrechen, um irgendwo zu landen. Aber wo eigentlich? München? Zu weit für einen Tag. Bremen, Celle? Zu nah für eine Freifahrt. Heidelberg. Irgendetwas wird es dort sicher zu sehen geben, dachte ich mir und schrieb den Namen in grundschulischer Schreibschrift in die freie Spalte.

Wie spät? 5:17, bin sowieso schon viel zu lang nicht mehr um 4 Uhr aufgestanden. Während ich mir die Frage stellte, ob man unangenehme Dinge überhaupt viel zu lang nicht mehr getan haben kann und zum Schluss kam, dass ich Fliegen auch dazu zähle und den Blog somit unbesorgt uneditiert belassen kann, tippte ich schon langsam Heidelberg in die Suchleiste meiner Lieblings-Suchmaschine. Na? Wer errät sie? Na? Reimt sie sich auf Ring oder Kugel? Beides Kreise, und wenn ich den Blog jetzt noch weiter schreibe, drehe ich mich auch nur noch im Kreis denke ich. Also, see you tomorrow. Der ultimative Tourguide für den perfekten Tagen in Heidelberg!

Beeindruckend wie voll ein Bus am morgen sein kann, wie leer gleichzeitig die Gesichter, die teils von ihrem Smartphone beschienen und teils noch in der Dunkelheit versunken darauf warten, bewegt zu werden, dachte ich mir direkt am frühen morgen meiner viel zu frühen Abreise. Schnell geduscht und ein paar Kaffees in die Thermoskanne verbannt, suchte ich mir in der Bahn angekommen direkt einen der wenigen nicht-reservierten Plätze im Abteil. Die Pendler im Anzug hatte ich unterschätzt. Umso erfrischender war dann, dass sich mir gegenüber keiner dieser aalglatten Reservisten niederließ, sondern ein Herr, der in Paris eine Radtour plante und sein Rad mit Müh und Not im normalen Abteil verstaut hatte. (Ich war sehr, sehr, sehr müde, fragt mich nicht, wie er das gemacht hat!). Dieser Herr las den Spiegel und ließ mich auf eine Art daran teilhaben, die mich normalerweise genervt hätte, an dem Tag aber irgendwie ohne Verurteilung in mein System einging. Bei witzigen Karikaturen drehte er die Zeitschrift zu mir und lächelte mich nur an, bei politischen Themen konnten wir uns sogar kurz über unsere Briefwahlen unterhalten, sodass er mir, als ich den Zug in Frankfurt verlassen musste, de ausgelesenen Spiegel mitgab, den ich mir auch gleich selbst vorhalten musste. Vielleicht hat auch gerade die Müdigkeit dem Geist die nötige Ruhe verschafft um so etwas überhaupt wahrnehmen zu können.

In Heidelberg angekommen erwartete mich ein gleißender Dunst, der das Licht über etliche Umwege so sehr in meine Augen trieb, dass eine Sonnenbrille ihren Weg auf meine Nase fand, die eigentlich gar nicht angebracht war. Mit Grüner Brille schon als fremdartig gekennzeichnet beschloss ich auch eifnach die Touristenorte abzuklappern. Vom Bahnhof Richtung Neckar und am Neckar entlang Richtung Alter Brücke. Auf dem Weg stieß ich noch auf das Cafe Hemingways, welches, was sich nach kurzem googlen meinerseits herausstellte, tatsächlich mal von Hemingway besucht worden sein soll. Dass man den Schuppen danach allerdings nach ihm benannt hat, nahm jedenfalls mir jegliches Vertrauen darin, der Laden könnte noch ein authentisches Erlebnis von damals wiedergeben. Der Magie beraubt, weil sie den Trick verraten haben.

Beeindruckt war ich davor von dem ersten Blick auf das Schloss von Heidelberg, welches sich am Horizont noch leicht im Nebel versunken war. Die Silhouette und der Schein, den die Sonne erzeugte und alles wie unwirklich erscheinen ließ erinnerten mich an Sonnenuntergänge in Sri Lanka. Wenn riesige Wolkentürme über dem Ozean zu unerreichbaren Festungen wurden, hinter welchen außerirdische Kriege tobten.IMG_5315.JPG

Als findiger Tourist lernt man schnell, dass die schnellsten Wege zu den Sehenswürdigkeiten die sind, auf welchen die meisten Chinesen wandern. Sieht man Leute ein Straßenschild fotografieren sollte man gleich aufmerksam werden, vielleicht handelt es sich um den fremden Fremdenführer. So auch bei mir. In der Bergbahn den Abhang zum Schloss hinauf, nachdem ich einmal kurz leicht dehydriert durch die Altstadt gewandelt war, hörte man schon das altbekannte Klicken der Kameras, welches, oben angekommen, seinen Höhepunkt erreichen sollte. Während also chinesische Großfamilien abwechselnd Fotos vor der wunderschönen Aussicht auf Heidelberg machten, genoss ich die wunderschöne Aussicht auf Heidelberg.

Der Studentenkarzer, in welchem Studenten nach Schandtaten früher über Wochen eingesperrt wurden, zeigte mir auf, in welchen Situationen und besonders in welchen Autoritätsverhältnissen Kreativität systemkritisch und systemkonform zugleich sein kann. Die früheren Studenten schienen ihre eigenen Verbrechen möglichst unterhaltsam und geschickt gestehen zu wollen, sodass ein Polizist sich erniedrigt und ein Friedrich sich inspiriert fühlen musste.

Nach erneutem Erschwachen des Körpers genehmigte ich mir ein Brötchen und ein Wasser, Treibstoff genug für einen Aufstieg zum Philosophenweg, der mindestens genau so inspirierend wie Hemingways Hemingways sein musste. Dort begegnete ich zum Glück einer Alleinreisenden, die sich nur zu gern auf dem Rückweg mit mir verlief und so erst im Regen wieder am Neckar ankam. Pünktlich am Hauptbahnhof zur Rückfahrt angetreten, und gleichzeitig 30.000 Schritte in meiner überaus unterhaltsamen aber auch überaus sinnfreien App gelaufen, sehnte ich mich zufrieden nach einem warmen Bett und einer warmen Dusche, um die Muskeln zu entspannen, die ich gar nicht hatte. Ich schloss die Augen und war dankbar, dass ich mir die Zeit genommen hatte, diesen Tag wirklich zu genießen, sogar den Abenddämmerungsdunst, der beim Umstieg über Frankfurt lag. Am Bahnsteig, einem Ort an dem ein Fluchtpunkt so exemplarisch erklärt werden kann wie sonst kaum irgendwo, und wo die Flucht, auch vor etwas Harmlosem, für jeden möglich wird, fiel mir auf, wovor ich geflüchtet war, ohne mich zu bewegen, mich eher versteckt hatte.

Mal wieder im Dunkeln das Haus verlassen, auf den Sonnenaufgang hinfiebern und davon überrascht sein, wie hell die Sonne am morgen schon strahlen kann. Ich hatte das alles vermisst, ohn davon zu wissen, obwohl ich mir doch jedes mal denke, dass es sich nicht lohnt soetwas zu verpassen. Mal wieder allein in eine Stadt hineinlaufen, in der man sich nicht verlieren, höchstens an irgendeiner Ecke etwas finden kann, dass zu einem passt und das man in sich aufnimmt. Und einfach gehen, irgendwohin.

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