Neue Musik 20.10.17

Niall Horan – Flicker

Das dritte Solo-Album eines ehemaligen One Direction-Mitglieds wird wohl auch hinter dem Erfolg der britischen Boy-Band zurückbleiben. Nicht unbedingt schlimm, wenn man bedenkt, dass Harry Styles mit seinem Debut zwar auf vergleichbaren kommerziellen Erfolg verzichten musste, aber jedenfalls einige Kritiker überzeugen konnte. Der junge Ire scheint sich auf seinem Album allerdings nicht ganz entscheiden zu können, ob er in die Fußstapfen eines Casting-Stars treten oder in die bereits zugenüge gefüllte Nische der Ed Sheerans drängen möchte. Leider lässt er keinen wirklichen eigenen Stil erkennen und verlässt sich auf poppige, weder hochaktuelle noch angenehm nostalgische, Klänge. “Slow Hands” bleibt im Ohr, “Paper Houses” beweist, dass Niall auch stimmlich niemandem nachsteht und “You and me” und “On the Loose” zeigen ein Genre, in dem Niall sich vielleicht wohlfühlen könnte. Irgendwo zwischen John Mayer und Fleetwood Mac. Nicht das schlechteste 1D-Soloalbum, aber auch nicht das beste.

Anhören: On the Loose, Paper House, Too Much to Ask

 

And So I Watch You from afar – The Endless Shimmering

Was erhält man, wenn man Mogwai, Ronald Jenkins und Balmorhea mischt? Von dieser Mischung wären die Nordiren aus Belfast wohl nicht weit entfernt. Auf ihrem fünften Album vereinen sie erneut gekonnt Sound-Wände aus Gitarren mit einem sowohl rhythmisch als auch atmosphärisch geschickten Aufbau, der musikalisch verdichtet, aber gleichzeitig Platz für Gitarren-Solos zulässt. Dass wie auch sonst keine wirklichen Highlights auf dem Album auftauchen und es sich eher wie ein großer Opus anhört mag zwar beim ersten Hören abschrecken, lässt aber umso mehr die Lust auf ein Live-Konzert der Insulaner steigen. Orientiert man seine Erwartungen an Titeln der Tracks wie “Dying Giant” und “All I Need is Space” wird man garantiert nicht enttäuscht. Wie bei Mogwai regt die Musik auf fantasievolle Art und Weise die Gedanken an, ihre eigenen monumentalen Bilder dazu aufzubauen, die Titel nur als Wegweiser. Dass es auch mit weniger Bombast geht,beweisen ASIWYFA bei “Chrysalism” und “The Endless Shimmering” nicht weniger eindrucksvoll. Musik für Zerstörer der Welten, Riesen und sonstige Monumentallebewesen.

Anhören: Dying Giants, A Slow Unfolding of Wings, Chrysalism

 

Odonis Odonis – No Pop

Das Trio aus Toronto verspricht keinen Pop und hält das Versprechen auch. Eine wirre Mischung aus industriellen Beats, übersteuertem Gesang, der auch in der heimischem Garage aufgenommen worden sein könnte, und Depeche Mode Referenzen sorgt definitiv nicht für Langeweile. Das Album nimmt den gefesselten Zuhörer gefangen und setzt ihn 37 Minuten einem Sound aus, der trotz seines zermürbenden Aufbaus und Tempos eine so schaurige Atmosphäre erzeugt, dass man fast meinen möchte, einen Action-Thriller zu hören. Das Wort “schaurig” erfüllt den Anspruch “No Pop” wohl genau so sehr wie dieser Viertling der Kanadier. Während “Fluke” und “Night Beat” die submarinen Themen des Covers aufgreifen wirkt “By The Second” fast wie ein Gospelstück aus einem Horrorspiel. Einzige enttäuschende Feststellung ist, dass No Pop“und sein Vorgänger “Post Plague” sich ähnlicher sind, als man es bei zwei so kurz hintereinander releasten Alben erwartet hätte. Hätte es nicht auch ein “Best-Of” getan?

Anhören: Check my Profile, By The Second

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