Neue Musik 03.11.17

Lost Horizons – Ojala

Der frühere Cocteau Twin Simon Raymonde und Richard Thomas präsentieren ein atmosphärisches Dream-Pop Album, welches einerseits aus der Zeit gefallen scheint, andererseits genau auf den Nerv zu zielen scheint, den Bands wie Wolf Alice wieder heraufbeschworen haben. Ojala zielt zwar sehr genau auf diesen Nerv, mehr als einen Streifschuss kann man hier aber nicht erkennen. Bei Liedern wie “The Places Weve been” und “Frenzy Fear” fehlt schlichtweg die Spannung, welche im Hintergrund lauernd solche Musik erst spannend macht. “Frenzy Fear” erinnert in seiner Stimmung und dem Gesang doch eher an Radiohead. “She led me away” wirkt eher wie Seefahrer-Musik mit Fernweh-Stimmung, seufzenden Streichern und sehnsüchtigem Text. “Life inside a Paradox” ist ein gutes Beispiel für die musikalische Fusion vergangener Generationen, die Lost Horizons wohl als Leitfaden ihres Sounds hatten. Zusammenfassend also viele Ansätze, leider wenig neues und noch weniger Konzept.

anhören:

The Tide, Life Inside a Paradox

 

Sam Smith – The Thrill of it all

Eine der himmlischsten Stimmen unserer Zeit greift nach den Sternen und bleibt dabei textlich doch auf dem Boden. Wie Sam Smith schon durch die vorab veröffentlichten Singles vermuten ließ bereist er mit diesem Album nicht unbedingt unbekannte Galaxien, traut sich aber dennoch mehr als zuvor. Alle Songs verbindet immer noch eine klerikale Atmosphäre, die nicht zuletzt durch die Gospeleinlagen Sam Smiths und die dementsprechende Unterstützung hervorgerufen wird. Dazu gesellt sich in “Pray” aber zum Beispiel ein sehr reduzierter Trap-Beat mit Voice-Samples, welche seltsam deplatziert wirken. Ein Highlight des Albums ist “Midnight Train“, eine Ballade mit sehr weiter Vocal-Range, kraftvoll und reduziert. Ein Glaubensbekenntnis in “HIM” wechselt sich ab mit “No Peace“, “Palace” und “Nothing Left for you“, die beweisen, dass Sam Smith auch mit Gitarere funktioniert. Alles in Allem wunderschöne Piano- und minimalistische Orchester-Gospel-Musik, die nicht unbedingt zum Tanzen oder frohlocken anregt, den Einstieg in die kalte Jahreszeit aber musikalisch doch mit Nostalgie zu untermalen weiß.

anhören:

No Peace, Midnight Train, Burning

 

Converge – The dusk in us

DIE Metal-Core Band aus Boston treten auf ihrem neuen Album in die eigenen großen Fußstapfen. Dass ihnen das nicht genug ist, präsentieren sie eindrucksvoll in ihrem Song “Reptilian“, der allerhand Genres in einer imposanten Wall-of-Sound vereinigt. Ob Metal, Atmosphärischer Hard-Rock ala Mogwai oder Skate-Punk, Converge vereinigen Welten, ganz wie der Name vermuten lässt. Der Sänger Jacob Bannon kann dabei eine gewisse reptiloide, hissende Stimme nicht verleugnen. Unter stetigem Druck, pfeifenden Gitarren und Drums, die anders als bei modernen Metal-Core Interpreationen nicht wie beim Punk treiben baut sich so ein Sound auf, der an Stellen wie ein gelungener Soundtrack wirkt. Fazit also, starkes Album, im Vergleich zu den Vorgängern entschleunigt und um weites atmosphärischer als die strenger getakteten Vorgänger. Einzelne Songs wie “Wildlife” und “Broken By Light” nehmen von diesem Konzept Abstand, was die Fans freuen dürfte, anderen aber vielleicht beim Durchhören des Albums störend auffallen könnte.

anhören:

Under Duress, Trigger, Reptilian

 

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