Neue Musik 17.11.17

Morrissey – Low In High School

Wenn man das neue Album eines Künstlers wie Morrissey einordnen möchte fällt es schwer, nicht voreingenommen an das erste Hören heranzugehen. Zu viele prägende Songs hat man seine Stimme schon singen hören, um einen neuen Song so schnell als leer und bedeutungslos zu betiteln, wie man es bei kleineren Künstlern tun würde. Glücklicherweise gibt Morrissey einem dafür in großen Teilen dieses neuen Albums auch keinen Grund. Spent the Day in Bed klingt wie ein unaufgeregter Pop-Song mit einprägsamem Piano und auch sonst interessanter musikalischer Gestaltung. Die Zeile “No Bus, No Bus, No Train, No rain” wird nicht jeden überzeugen können und auch andere Kleinigkeiten lassen immer wieder Zweifel darüber aufkommen, wie sehr Morrissey noch visionärer Romantiker und Weltverbesserer und nicht zynischer, konservativer Restaurator vergangener Zeiten ist. Home is a Question Mark und auch sonst große Teile des Albums wirken, wie die Inszenierung eines großen Showmasters. Die Melodik der Stimme erinnert natürlich auch noch an die Smiths, diese neue, pompöse aber doch minimalistische, Gestaltung lässt aber tatsächlich noch neues erkennen.

anhören: Spent the Day in Bed, Home Is A Question Mark

 

Sia – Everyday is Christmas

Sia haucht dem Genre des Weihnachts-Albums neues Leben ein. Einst ein Zeichen dafür, wirklich ein großer Popstar geworden zu sein, wird so ein Album bei den meisten heutzutage wohl eher für Fragezeichen über dem Kopf sorgen. Weihnachtsstimmung versprüht das Album auch nicht wirklich, dafür ist Sias Stimme viel zu aufregend und unkonventionell. Mit Snowman bringt sie allerdings eine wirklich schöne Ballade heraus, die ihrer Stimme in die Karten spielt. Das einzige Manko an diesem Song ist, dass ihr Gesang fast wie Mumble-Pop klingt, eine sehr angestrengte Stimme, bei der es manchmal so wirkt, als hätte sie den Mund doch etwas weiter aufmachen können. Alles in Allem aber schön, poppig und mit Sicherheit in einigen Christmas-Playlists dieses Jahres vertreten. Ob es einer der Songs schafft unsere Weihnacht für mehrere Jahre zu begleiten steht allerdings in den Sternen.

anhören: Snowman

 

Jaden Smith – SYRE

Visionärer Romantiker und Weltverbesserer oder junger, egozentrischer und nichtssagender Promi-Sohn? So könnte die Frage bei Jaden Smith klingen, der auf seinem Debut-Album und, ähnlich wie Taylor Swift auch in der Vermarktung, viel versucht. Es lässt sich in Liedern wie “Fallen” heraushören, dass Jaden gern ein neuer Kid Cudi wäre. Es lässt sich in Tracks wie Batman und Watch Me erkennen, dass er aus dem Schatten seines berühmten und erfolgreichen Vaters hervortreten möchte. Es lässt sich in Liedern wie Fallen und Ninety sogar erkennen, dass Jaden sogar was Rap-Skills und Konzeptidee angeht hohe Ansprüche an sich selbst stellt. Das Outro SYRE hingegen wirkt nur wie eine ungelungene Kopie der Man on the Moon-Alben von Kid Cudi. Was am Ende bleibt, ist ein Rap-Album, welches zwar keine wirklichen Mängel aufweist, aber welches ihn auch nicht als Futuristen präsentiert, der sein Herzblut voll und ganz in diese Kunst stecken möchte. Angenehme Sprechstimme, keine Frage, das durfte man auch in den etzlichen Features auf Alben von Childish Gambino, Tyler the Creator usw. schon bewundern. Um in einer Reihe mit seinen scheinbaren Idolen Tyler, Cudi, Kendrick und Gambino genannt zu werden, muss da aber noch einiges passieren, besonders in seiner Einstellung zur Musik.

anhören: Watch Me, Ninety, Fallen

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