The Stone Roses – Blackpool Live 1989

“You say that you expect to be the best band in the world.”

“No, we know we are, but we dont expect anyone else to thing anything in particular.”

The Stone Roses sind Ausdruck einer Generation von Bands, die ihren Anspruch nicht hinter Bescheidenheit verbargen und nicht davor zurückschreckten, scheinbar egozentrische und selbstgefällige Statements am Band abzugeben. Nach modernen Standards würde man den kommerziellen Erfolg der Stone Roses auch allzu gern herunterspielen, kamen sie zu ihrer Zeit was das angeht doch kaum an aktuelle Rockbands heran, die regelmäßig die Spitze der Charts anführen. Und auch im Bewusstsein der Gegenwart tauchen The Stone Roses nicht unbedingt in der ersten Reihe, bei den meisten sogar nicht mal an der Bar, auf, wenn nach britischen Rockbands des vergangenen Jahrhunderts gefragt wird. Die Beatles natürlich, damit begann wohl alles. The Smiths und Sex Pistols, Gegenentwürfe derselben Wahrnehmung, Oasis und Blur, aber die Stone Roses? In den Köpfen der meisten Leute spielt sich dann wahrscheinlich ein Gedankenprozess ab, der damit vergleichbar ist, den Namen des gleichnamigen Mitschülers aufgerufen zu hören, kurz aufzuschrecken, um sich dann möglichst unauffällig wieder in die Teilnahmslosigkeit zu verabschieden. Nein, die Stone Roses haben nicht mit den Stones zu tun.

Stattdessen waren The Stone Roses Teil der Madchester Bewegung. Eine musikalische Entwicklung, die sowohl in den Punk als auch den atmosphärischen Indie ausuferte, im Brit-Rock mündete, der aktuelle Bands wie The Kooks, Arctic Monkeys und Blossoms, welche übrigens auch in Manchester ihr zu Hause gefunden haben, überhaupt erst möglich machte. The Stone Roses, das sind für die meisten wohl Ian Brown und John Squire, welche die meisten öffentlichen Auftritte wahrnahmen. Nonchalante Müdigkeit und mit einer Aura des Bekifftseins traten die beiden vor die Presse, nur um ihre jungen, aber umso größeren Ambitionen, wie selbstverständlich der Masse zu präsentieren. Ganz losgelöst von der Musik beherrschte diese Band, die sich nach 2 Alben und mehreren Auseinandersetzungen mit ihrem Manager, die Kunst, sich selbst absolut unverschämt selbst zu loben, ohne arrogant zu wirken.

“Hopefully we show people that you dont have to be crap to get anywhere.”

Der Moment, in dem niemand mehr leugnen konnte, dass diese Band von nun an zur obersten Riege der britischen Rock-Bands gehören würde, war ein Konzert im Empress Ballroom in Blackpool, Kapazität 3000 Personen. Nachdem die Band die Tore von ihren Roadies aufstoßen lassen hatte, weitere 1000 Personen in die Halle strömten und sich die Luft sicher ähnlich angefühlt haben muss, wie in einer Box aus Holz voller nackter Finnen, traten die vier Newcomer auf die Bühne, warfen Ice-Pops in die Menge und begannen ein legendäres Konzert zu spielen.

Ein Konzert, von dem glücklicherweise erstaunlich gute Aufnahmen zurückgeblieben sind. Sowohl ein Video als auch diverse CD und Vinyl-Rips, dessen Sound erstaunlicherweise über den des Videos hinausgeht, zirkulieren durchs Internet und den europäischen Kontinent. Wie es das Schicksal so wollte, fand ich einen dieser Rips bei einem Hinterhofmarkt auf der Brick Lane in London, legte 12 Pfund auf den Tisch und war glücklich darüber, ein Album und einen Moment der Stone Roses erleben zu dürfen, der mir bis jetzt verwehrt geblieben war. Und aus diesem Grund, lest ihr heute nicht nur ein paar Sätze zu der Band, sondern vor allem ein paar Sätze über diese Live-Performance, für die ich 7 Jahre zu spät geboren wurde. Und welche jetzt auf meinem Plattenspieler kreist, wie der Löffel in mein es schwarzen Tee, den es dazu gibt. “Very British”, würde meine Mutter sagen.

Das Konzert beginnt unaufdringlich und groovig, wie man es von den Stone Roses erwartet, die besonders gern wellenartige Melodien auf der Gitarre von einem ordnenden und mit den Drums um den Rhythmus konkurrierenden Bass begleiten lassen, um die zerbrechliche Stimme Ian Browns zu unterstützen. So beginnt das Konzert mit “I Wanna Be Adored”, ein Stück, in welchem Ian Brown, welcher häufig für seine mittelmäßige Stimme kritisiert wurde, zeigt, warum gerade so eine unbeständige, etwas herausgequetschte aber gleichzeitig enorm energiereiche Stimme einer solchen Band nur dabei hilft, die Atmosphäre ihrer Songs von einer stark beladenen und schnellen zu einer freien und bezugsfähigen werden zu lassen. Ian Brown ist und bleibt der Urtyp des Madchester-Sängers, einen Typus, den Liam Gallagher für die meisten verkörpert. Aber wenn Liam eine Legende oder ein Prophet ist, dann ist Ian Brown der Gott, von dem er berichtet.

Das zweite Highlight kommt mit “Waterfall” gleich hinterher. Ein Song, in dem musikalisch verdichtet wird was das Zeug hält. Man könnte fast meinen, dort stünde ein begnadeter Sample-Künstler, der auf so vielen Ebenen denkt, dass er manchmal seiner eigenen Gitarren-Spur begegnet und sich fragt: “Wer hat das denn gespielt?” “lets go, lets Go Baby” ruft Ian Brown in der nächsten Pause, ehe Stone Roses ruhigere Töne anschlagen und eine treibende Ballade präsentieren. “(Song For My) Sugar Spun Sister deutet zwar auch die Schwäche der Stimme Browns an, dafür spielen Bass und Drums auch hier ein Spiel miteinander, dass gerade in den letzten Jahren, durch Bands wie Sacred Paws und Blossoms,  immer wieder an die Oberfläche gelangt.

“Sometimes I fantasize

When The Street are cold and Lonely

And The Cars they Burn below me

Dont these times Fill your eyes”

“Made of Stone”, der nächste Hit, in dem Ian Browns träumender aber gleichzeitig nostalgischer Gesang nur von einem Gitarren-Solo Squires unterbrochen wird, welches am Ende sphärisch klingt, wie die Raumschiffe aus F-Zero X. Auch die B-Seite der Platte, die zweite Hälfte des Konzerts dringt vor in diese Sphären, die mir nur aus alten Videospielen bekannt waren. Kein Wunder bei einer Band, die darauf kam, ihren eigenen Song “Waterfall” rückwärts abgespielt als Sample in ihrem eigenen Song “Dont Stop” zu verwenden. Auch wenn ich zu gern gesehen hätte, wie das ganze live funktionieren soll, kommt die Live Performance auch ohne alle Songs des ersten Albums gut aus. “Shoot you Down” bietet textlich die innovative Zeile “Bang Bang Pretty pretty bang bang”, die auch schon David Guetta inspirierte. Kleiner Scherz. Der Song bietet trotzdem einen Einblick in die Entwicklung des Brit-Rock, welcher sich auch nicht zu unfein dafür war einige Elemente des traditionellen Rock´n´Roll zu übernehmen. So Setzen in “Shoot you Down” an einigen Stellen die Gitarren und die Drums aus,  um der Stimme losgelöst vom Rhythmus des Songs ein melodisches Statement zu geben.

Und wie sollte es bei einer Band, die ihren zukünftigen Erfolg für selbstverständlich und ihre Konkurrenz für Idioten hielt auch anders sein, schließen sie ihr Set mit einer zwölfminütigen Version von “I am the Resurrection” ab. “I am the Resurrection and I am the life, I couldnt ever bring myself to hate you as i’d like” fasst zusammen, was die Stone Roses sind und wie sie denken. Als Band die ganze Generationen von Bands inspiriert hat, mit nur zwei Alben den Musikmarkt veränderte, standen sie auch schon bevor sie von ihrer zukünftigen Reputation wussten über den Dingen. Eine gewisse Abneigung gegenüber allem, was in ihren Augen schlecht an der damaligen Pop-Musik war, mit genügend Anstand, um die funktionierenden Elemente trotzdem daraus zu übernehmen war einzigartig. Aber um irgendetwas zu hassen fehlte ihnen die Zeit, vielleicht waren sie dafür auch einfach zu mutig.

 

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