Neue Musik 15.12.17

N.E.R.D. – No_One Ever Really Dies

Aggressive Produktion des Hip-Hop-Projekts von Pop-Star Pharrell Williams. Pharrell, Chad Hugo und Shay Haley wagen mit großem Staraufgebot (Rihanna, Future, Kendrick Lamar, Ed Sheeran, Gucci Mane) einen Sound, der erfrischenderweise vom aktuellen Trap-Einheitsbrei abweicht. Starke Bässe und eine höhere Dynamik als wir von der Welle aktueller Lils und Youngs kennen machen Lust auf clubreifen Hip-Hop, der in den Diskotheken der frühen 2000er sicher Platz gefunden hätte. Heute wird das wohl niemanden mehr beeindrucken, sei es der Verfehlung des Zeitgeistes geschuldet, oder wegen der gewöhnungsbedürftigen Beats. Mit Lemon ist N.E.R.D. jedenfalls schon der nächste virale Hit gelungen, der etwas so klingt, als hätte Pharrell Williams einen neuen Song mit Calvin Harris aufgenommen. Wenige Höhepunkte machen das Album aber sonst zum mäßigen Durchschnitt. Auf keinen Fall schlecht, erst Recht in Zeiten so vieler unterdurchshcnittlicher Rapper mit 30 mal so vielen Streams.

anhören: Lemon

Eminem – Revival

Skepsis beschreibt wohl am besten, wie man der Tracklist von Eminems neuem Album im ersten Moment begegnet. Der Rapper, der sich in den letzten Jahren schon immer mehr als poptauglicher Rapgod inszeniert fährt, ähnlich wie N.E.R.D. mit einem riesigen Aufgebot an Popstars auf (Beyonce, Alicia Keys, Ed Sheeran, Skylar Grey, X Ambassadors). Dabei fällt aber schnell auf, dass die großen Rap-Stars, die man heutzutage ja auch schon zu popkulturell relevanten Galionsfiguren erheben kann, als Features fehlen. Ob Eminem Features wie Kendrick Lamar, Future, Andre 3000, Tyler The Creator und Co. bewusst nicht einsetzt, um seine eigene Postion als alleiniger Spitzenreiter der Szene zu festigen, oder, ob ihm der Chart-Erfolg mittlerweile wichtiger geworden ist, als authentischer Rap, lässt sich nicht zu hundert Prozent beantworten. Sicher sagen lässt sich jedoch, dass sich z.B. Walk on Water (feat. Beyonce) River (feat. Ed Sheeran) und Bad Husband (feat. X Ambassadors) nicht besonders neu anhören. Lethargische Rap-Pop-Balladen lassen interessante und neue Ideen und Features leider vermissen.

anhören: River, Untouchable

G-Eazy – The Beautiful & The Damned

Ein wenig Überwindung kostete es schon, ein Album anzuhören, dass den Titel eines Romans von Francis Scott Fitzgerald trägt. Gerade jetzte, wo Retro-Bewegungen viele RnB Künstler wieder in ein romantisiertes Amerika der 20/30er Jahre tragen, schien es nur eine Frage der Zeit, bis jemand den Anspruch erheben würde, den entsprechenden Soundtrack zu liefern. Vom öffentlichen Auftreten G-Eazys mal abgesehen liefrt das Album einen Sound, der durch Spannungsaufbau in der Dynamik (Sober), epischen Hollywood-esquen Themes (Him&I, The Beautiful & The Damned) und hoffnungsvoller Romantik einen Ton anschlagen möchte, der die Tragödien Fitzgeralds vertonen möchte. Ein ähnlicher Versuch, wie der, den Halsey auf ihrem Album hopeless fountain kingdom gewagt hatte und kläglich daran scheiterte, bei der Selbstdarstellung als abenteuerlustiger intellektueller Künstler authentisch zu bleiben. Lieber das Buch lesen, als das Album hören.

anhören: Him & I

Asking Alexandria – Asking Alexandria

Ungewöhnlich, so spät in der Karriere ein Album nach dem eigenen Bandnamen zu benennen und somit seinen Sound in der öffentlichen Wahrnehmung noch einmal neu zu definieren. Im Fall der Metalcore-Band Asking Alexandria macht das ganze aber durchaus Sinn, klingt das neue Album doch erstmals wirklich konzeptionell und mit dem Anspruch auf Langlebigkeit. Where did it go? erzählt dabei emotional die Geschichte der Band, die auf diesem Album hymnischen Gesang und fast Rap, Sprechgesang vermischt, um ein einzigartiges Klangbild zu erzeugen. Es scheint als hätten Asking Alexandria die Fusionierung von Metalcore und Power-Pop für dieses Album perfektioniert, um den Pop-Acts unserer Zeit zu demonstrieren, wie viel Energie nicht nur durch den gestaffelten Aufbau eines Songs, sondern auch durch kraftvollen Gesang und kraftvolle Instrumentierung erzeugt werden kann. Es lohnt sich auf jeden Fall, hier einmal hereinzuhören.

anhören: Where did it go?

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