Neue Musik 12.01.18

Alben

Camila Cabello – Camila

Camilas nach sich selbst benanntes Debut-Album feiert den Pop und paart ihn mit einer gesunden Dosis kubanischer Einflüsse. Während Havana mit interessantem Pacing und einer schwitzig, erotischen Stimmung einen regelmäßigen Sendeplatz in fast jeder Radiosendung einheimsen konnte, stellte sie in der zweiten Single Never Be The Same ihre stimmlichen Fähigkeiten unter Beweis. Ein kubanisch angehauchter Song und eine moderne Pop-Ballade ließen so also die Erwartungen jedenfalls so hoch werden, dass ein durchschnittliches bis gutes Pop-Album erwartet werden durfte. Und genau das ist auch daraus geworden. Mit All These Years, das gut und gerne von Ed Sheeran hätte geschrieben worden sein können, In the Dark, das etwas nach Taylor Swift klingt und 2 weiteren Balladen in Consequences und Something’s Gotta Give hat Camila Cabello erfolgreich die Pop-Musik des letzten Jahres in ein kuba- und pianogetränktes Outfit gesteckt und wird so sicher auch die kommenden 12 Monate die Charts anführen.

anhören: Havana, All These Years

 

Lil Skies – Life As A Dark Rose

Einer der Soundcloud-Rapper, die bis dato noch im Schatten der Frontrunner Lil Pump, Lil Xan, 6ix9ine und des vor kurzem auf tragische Weise verstorbenen Lil Peep, verbracht haben, ist Lil Skies. Hohe Klickzahlen auf Youtube und Soundcloud kündigen allerdings an, dass sich das bald ändern könnte. Mit einem etwas düsteren Mood, klarerer Aussprache und realitätsnaherer Texte als bei seiner Konkurrenz tritt Lil Skies in eine Nische, die vielleicht nicht gefüllt werden musste, die er aber souverän erfüllt. Pop-taugliche Hits wie Red Roses feat. Landon Cube und Nowadays feat Landon Cube überzeugen mit guten Hooks, die auch von der Stimme Cubes profitieren. Big Money und Boss Up sind Beispiele für Tracks, die ohne viel Drumherum Rap präsentieren, der auch textlich über das repititive Aufzählen hipper Luxus-Marken hinausgeht. Eine Emotion, an der es Lil Skies auf diesem Album/Mixtape beinahe komplett mangelt ist Aggression. Während besonders Lil Pump, Lil Peep und 6ix9ine immer wieder erschütternde Schreie und bewusste Verzerrung einsetzen, um ihre Wut, teils auf sich selbst, auszudrücken, wirkt Lil Skies souveräner und erfrischend entspannt. Diesen Rapper sollte man definitiv im Auge behalten.

anhören: Nowadays feat. Landon Cube, Lust

 

EPs

The Neighbourhood – To Imagine

Die zweite EP in 4 Monaten sieht die Westküstler weiterhin auf einen Sound hinarbeiten, der ihre 2 ersten Alben mit einem 90’er Elektro-Vibe verbindet. Dust überzeugt dabei mit einem kreativ gelösten Ende, das trotz nerviger Pieptöne clever gelöst ist. Scary Love stellt den düsteren Love-Song, ohne den keine Platte der Amerikaner auskommen würde. Ein etwas poppigerer Beat als man es von ihnen gewöhnt ist drängt die Stimme teilweise etwas in den Hintergrund. Trotzdem ist Scary Love wohl der Song, den man am ehesten in eine Riege mit Sweater Weather und Single stellen würde. Compass klingt tatsächlich wie eine Mischung der ersten Alben. Die schweren, trabenden Beats und die schwitzige, gedämpfte E-Gitarre begleiten die Gesänge Jesse Rutherfords und sorgen für eine zwielichtige Strandatmosphere. In Stuck with me gibt es noch einen ungewöhnlich zugänglichen Refrain und hoffnungsvolle Melodien. Alles in Allem präsentieren The Neighbourhood hier weiter konsequent einen Sound, gegen den nichts einzuwenden ist, der seinen Platz im aktuellen Pop noch sucht.

anhören: Compass, Scary Love

 

Singles

Troye Sivan – My My My

Das Multitalent aus Südafrika hat mit My My My die erste Single nach seinem überraschend erfolgreichen und innovativen ersten Album Blue Neighbourhood veröffentlicht. Anstatt sich weiterhin auf eine reduzierte Produktion und melancholische Harmonien zu verlassen, geht Troye Sivan mit My My My einen Schritt weiter Richtung Mainstream-Pop. Industrielle aber gehaltvolle Beats und ein rundum hochwertig produiziertes Gesamtkonstrukt erwecken eher den Anschein einer Mischung aus Taylor Swifts neuem Sound auf Reputation und The 1975s Revivalist-Mashup-Pop. Als Produkt ergibt sich ein Pop-Song, der sich etwas über dem Durchschnitt einordnet, begleitet von einem Musikvideo, dass höchsten ästhetischen Anspruch und ein Produktionsniveau nahe dem der Musik vermuten lässt. Der Song wird sicher seinen Weg in die Clubs finden, zumindest als Remix. Was man, ausgehend von dieser Single, aber vom zweiten Album des erst-Youtuber-jetzt-Künstlers erwarten kann, bleibt abzuwarten.

 

Harry Hudson – Yellow Lights

Dass Harry Hudson der misfits-Crew rund um Jaden Smith angehört könnte man an dieser Single nicht erkennen. Wohl aber am Design seiner letzten beiden Single-Cover. Das stört nur ein wenig, wenn man sich dann die Frage stellt, ob misfits ein Haufen Individuen oder nur ein selbstinspirierender Haufen junger Künstler ist. Mit Yellow Lights kommt nach Cry for Love die erste Ballade von Harry Hudson, die aber leider genau wie die erste Single daran scheitert, überhaupt nichts neues mitzubringen. Im Gegensatz zu z.B. Troye Sivan, der jedenfalls durch Inszenierung, interessante stimmliche Leistung und Dynamik in seinem neuen Song auffällt füllt Harry Hudson nur altbekannte Passformen neu aus. Mit einem gut produzierten Party-Banger und einer vorhersehbaren Ballade im Gepäck, fragt man sich, wo Hudson noch hin will. Er wirkt eher, wie ein fertiger Künstler, als ein sich weiterentwickelnder Newcomer.

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