Midnight Car Romance (GER) – Interview

Wir tun uns da ziemlich schwer, unsere Musik in ein Genre zu stecken.

Midnight Car Romance leben und reden nicht gern in Genres, predigen Authentizität und halten nichts von voreiliger Verurteilung. In den 5 Jahren, die es die junge Band aus Freiburg jetzt schon gibt sind es diese Elemente, die immer wieder eine Rolle zu spielen scheinen. Eine junge, unvoreingenommene Musik-Szene in Freiburg und ein Publikum, das mit den gleichen Attributen beschrieben werden kann, dürfen diese Entwicklung der Band begleiten, über die ich mit Jan (Bass, Synths) und David (Guitar, Vocals) reden darf. Lucas (Vocals, Piano, Guitar) und Tim (Drums) machen das Line-Up der jungen Alternative-Rocker komplett.

 

Woher kommt der Name Midnight Car Romance? Hat das was mit dem Sound zu tun, wolltet ihr den irgendwie umschreiben?

D: Das ist ziemlich unspektakulär eigentlich.   

J: Das war original der Titel von nem Lied, das wir alle zusammen geschrieben haben und das hat uns einfach ziemlich gut gefallen. Wir hatten auch so das Gefühl, dass das zu unserem Sound passt.

Es klingt wirklich nach einem Namen für Roadtrip-Musik, After-Party-Melancholie, passend zur Szene in eurem Musikvideo zu Sound and Smoke. Wie seid ihr zu dem Musikvideo, zu der Idee gekommen? 

D: Der Filmer, der das konzipiert hat, ist ein Freund von uns und der studiert in Offenburg an der Filmhochschule. Ich weiß gar nicht, wir hatten eine grobe Idee und insgesamt ist das Video ja auch eher eine Ansammlung von random Clips.       

J: Wir hatten ein paar kleinere Ideen für Szenen, die wir dann gedreht haben, also nichts wirklich konkretes, so ein paar Locations die wir cool fanden.

Und dann nachher die Schnipsel erst zusammengeschnitten? Spielt das auch alles in Freiburg? 

D: Ja! Und Umgebung. Also, das sind eigentlich ziemlich viele Locations. Wir sind ein paar Nächte rumgefahren, haben mit Freunden Wein getrunken und das ganze noch gefilmt.

 

Diese ungeplante und gleichzeitig ausdrucksstarke Art ihre Single Sound and Smoke mit einem zugehörigen Video zu versehen, taucht auch in der Art und Weise auf, in der sie Ihre Einflüsse beschreiben. Wie bei ganz vielen Bands erweckte amerikanischer Pop-Punk die Lust an der Musik, die Feststellung, Atmosphäre und Ästhetik über die Musik vermitteln zu können, dann die Lust an der Kunst. The Japanese House hat mit Leon und alt-j mit Matilda vorgemacht, wie ein konkreter Spielfilm als Inspiration für einen Song herhalten kann, der die Atmosphäre und die Ästhetik eines Kult-Films retrospektiv aufarbeitet.

 

Jetzt mal zu eurem Sound. Was sind da so Einflüsse, die euren Sound oder euch persönlich geprägt haben? 

D: Also angefangen hat das glaub ich so wie bei ganz vielen Bands mit Ami-Pop-Punk, Blink-182, Green Day, Sum-41. Davon haben wir uns natürlich auch wieder etwas wegbewegt. Ich weiß gar nicht, wir tun uns da ziemlich schwer, unsere Musik in ein Genre zu stecken. Das ist irgendwie schwierig, wenn man die Musik selber schreibt. Aber ich glaub das (Inspirationen) sind verschiedene Sachen. Ich glaube so ästhetisch und so würde ich das nicht nur auf die Musik beschränken. Auch Filme, die die Atmosphäre vorgeben für ein Lied, das man schreiben möchte. Ich würde sagen, The 1975 ist irgendwie ziemlich hot. So von der Ästhetik.

Die verbinden Ästhetik und Sound ja auch ziemlich krass. 

D: Wirklich wahnsinnig cool gemacht. Und ansonsten, jeder hört irgendwie unterschiedliche Musik mittlerweile. Das ist nicht mehr an das Pop-Punk Ding gebunden. Jan und Tim, unser Schlagzeuger die hören sehr viel Hip-Hop, keine Ahnung inwiefern das den Sound beeinflusst, das Drumming vielleicht ein bisschen.                                           

J: Ich denke es hat keinen so krassen Einfluss direkt auf die Musik die wir machen. Obwohl, was mit grad einfällt. Ein wenig Einfluss hat’s vielleicht doch. Die arbeiten ja auch viel mit Synthesizer und so, was wir ja auch machen und teilweise kann man sich da soundtechnisch schon was abgucken.

 

Der Name The 1975 fällt noch einmal. Im letzten Herbst änderte die Band ihren Namen von General Confusion, einem “dummen Namen“, den 15-jährige ihrer Band aus Naivität gäben, zu Midnight Car Romance. The 1975 coverten zu Beginn ihrer Karriere viele Jahre unter mehreren Namen (Me and You Versus Them, Forever Drawing Six, Talkhouse, the Slowdown, Bigsleep, Drive Like I Do) amerikanischen Pop-Punk, ehe sie sich mit The 1975 einem Sound, einer Atmosphäre und einer Ästhetik verschrieben. Authentisch sei der Name General Confusion damals gewesen, aber eben nur damals. Um den neuen Sound einzuleiten musste ein neuer Name her, im Grunde eine “neue Band mit den gleichen Membern“, wie David sagt.

 

Eine kurze Einschätzung möglicher Nachfolger einer schwindenden Generation großer Rockstars beendet das Interview mit einer Band, die ganz offensichtlich keine Vorurteile pflegt und auch mir am Ende noch aufzeigt, wo ich mit weniger davon auskommen würde. Mit neuer Musik werden Midnight Car Romance 2018 außerdem auf jeden Fall noch aufwarten. Geplant sind kontinuierlich über das Jahr verteilte Singles.    

 

Habt ihr irgendwelche aktuellen Musikempfehlungen? Was sollte man auf dem Schirm haben? Lokal oder International. 

J: Ich schau mal in meine Mediathek haha.                 

D: Wir haben Freitag beim Willkommen zu Hause Festival in Freiburg gespielt und es ist ziemlich cool, das hat ein Bekannter von uns hochgezogen und da sind wir zusammen mit Indieboy und Ottonormal aufgetreten und Ottonormal ist auch durchaus schon etwas größer. Die fand ich super, beide.

Sind das auch lokale Freiburger? 

D: Die kommen beide ursprünglich aus Freiburg, aber wenn ich das in der Instagram-Story richtig gesehen hab nehmen die grad in Berlin auf. Die sind großartig. Was ich auch geil finde ist Bilderbuch, sehr unterhaltsam.

Die ja auch ein wenig die Genres durchmischen. 

J: Ja, genau.                                                   

D: Marylin Manson hat ein gutes Album rausgebracht letztes Jahr, das ist ja jetzt was ganz anderes aber das hat mir sehr gut gefallen.

Das hab ich mir kaum angehört, das neue. Die vielen schlechten Bewertungen haben mich doch abgeschreckt. 

D: Lass dich nicht irritieren! Der bekommt nur Scheißbewertungen, weil dieses Schockding aus den Neunzigern halt vorbei ist, aber es ist ein… Naja Texte kann man immer drüber reden, aber das Gesamtpaket passt! Das ist so, der letzte Rockstar, finde ich heutzutage.

Diese Generation an Rockstars hinterlässt ja in den letzten Jahren große Fußstapfen für die junge Rock-Szene, die ausgefüllt werden wollen. 

D: Und die Soundcloud Rapper können das glaub ich nicht unbedingt.

 

Bleibt am Ende nicht viel mehr zu sagen, als dass man sich Midnight Car Romance und ihre aktuelle Single Sound and Smoke auf jeden Fall einmal anschauen sollte, sich selbst ein Bild davon machen sollte, wovon Jan und David hier reden. Und mit ein bisschen Glück kann man die Jungs demnächst auch mal außerhalb der lokalen Szene Freiburgs erleben.                  

 

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